Trotz Corona Lust auf Eis

Trotz Corona Lust auf Eis

Von und mit freundlicher Genehmigung von Fabian Roßmann

erschienen am 20.01.2021 im Straubinger Tagblatt 

Während des Lockdowns dürfen beim EHC Straubing nur die besten Nachwuchsspieler trainieren – Die Jungs wissen, wie privilegiert sie sind, doch der Wettkampf geht ihnen ab

Von Fabian Roßmann

Es ist Abend, es ist dunkel. Vor dem Haupteingang stehend macht es den Anschein, als würde nichts passieren im Straubinger Eisstadion am Pulverturm. Man sieht nur schwarz. Das liegt aber einzig an den schwarzen Planen, die an den Scheiben der Eingangstüren kleben. Nur mit einem Schlüssel geht’s rein, es brennt Licht und es flitzen Nachwuchsspieler über das Eis. Es rührt sich was. Ja. auch im Nachwuchs des EHC Straubing wird trotz Lockdowns trainiert.

Sechs Feldspieler und zwei Torhüter stehen am Dienstagabend auf dem Eis, dazu Trainer Aleksandrs Kercs (30). Es ist eine von zwei kleinen Gruppen, die aktuell trainieren dürfen. Ein geregelter Betrieb ist nicht erlaubt, Spieler, die in der Bayern-Auswahl stehen und damit dem Leistungssport zugeordnet werden, dürfen aber trainieren. Sechs Spieler in der U15 und vier in der U13 sind das beim EHC, dazu kommen noch Torhüter, darunter U18-Nationaltorhüterin Lilly Uhrmann.
Viermal pro Woche wird trainiert, nur am Mittwoch nicht. Eine Stunde Eistraining und im Anschluss eine dreiviertel Stunde Trockentraining stehen jeweils an, erzählt Kercs. Er hält alle Einheiten auf dem Eis und das Online-Training ab.

Fast täglich auf dem Eis

Ben Stadler, 14 Jahre alt. ist einer der Spieler, die aktuell aufs Eis dürfen. Er weiß, welches Privileg das ist: „Gerade wenn man sich mit Freunden unterhält, die aktuell nicht auf dem Eis trainieren dürfen, merkt man das.“ Der U15-Spieler berichtet, dass er unter der Woche fast täglich auf dem Eis steht. Das Training sei anders als in normalen Zeiten. ,,Statt bis zu 20 Spieler trainieren jetzt nur sechs Spieler gleichzeitig“, vergleicht der Verteidiger. Dadurch könne der Trainer auf jeden einzelnen Spieler besser eingehen. „Der Coach redet viel mit uns und wir machen vor allem Übungen, durch die wir uns individuell weiterentwickeln.“
Was ihm fehlt? „Der Wettkampf, sich mit anderen zu messen, am Wochenende unterwegs zu sein und nicht nur zu Hause zu sitzen“, sagt Stadler.

„Wir legen den Fokus auf die Skills der Spieler und wollen sie individuell verbessern, in der Stocktechnik, beim Schlittschuhlaufen“, sagt Kercs. Er könne auf die Spieler aktuell individuell besser eingehen.
„Und man merkt auch, dass sie jede Woche ein bisschen besser werden, das individuelle Training bringt die Jungs nach vorne.“

Die Hinrunde konnte Ben Stadler mit der U15 noch zu Ende spielen. Daran, dass die Saison zu Ende gebracht werden kann, wachsen beim EHC inzwischen aber die Zweifel. „Je länger der Lockdown dauert, desto weniger Hoffnung haben wir“, sagt Geschäftsstellenleiter Günther Preuß. Seit Anfang November kann der Großteil der Spieler nicht mehr trainieren. Weil auch der DEL-Spielplan sehr eng getaktet ist, würde es zudem schwierig werden, Zeiten zu finden, so Preuß.
„Deshalb ist unsere Hoffnung zunächst, dass wir wieder in einen geregellen Trainingsbetrieb übergehen können.“

Trocken- und Onlinetraining

Beim EHC achten sie darauf, dass auch die Spieler, die aktuell nicht aufs Eis dürfen, Trainingsmöglichkeiten bekommen. Die Spieler der U17
und U20 haben von den Trainern Pläne bekommen. Das heißt:

Täglich eine Stunde Trockentraining, dann Stickhandling, am Samstag wird gelaufen und nur der Sonntag ist frei. „Für die Kinder von der Laufschule bis zur U15 bieten wir ein tägliches Online-Training an“, sagt Kercs. 60 bis 70 Prozent der Kinder würden das Angebot jeweils annehmen. Auch die Spieler anderer Klubs konnten bisher bei ausgewählten Einheiten mitmachen, seit dieser Woche ist das Training für alle Spieler komplett geöffnet. Spieler, die aktuell nicht auf dem Eis trainieren können, zahlen auch keinen Aktivenbeitrag.

Strenges Hygienekonzept

Damit auf dem Eis trainiert werden kann, gibt es ein strenges Hygienekonzept. „Das haben wir seit dem ersten Lockdown gefühlt 20-mal überarbeitet und angepasst“, sagt Günther Preuß.
Enthalten sind darin beispielsweise das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes bis zum Eis, Fiebermessen oder ein entsprechender Abstand in der Kabine. Die Spieler würden sich diszipliniert an alles halten, sagen Kercs und Preuß. „Sie haben das Privileg zu trainieren, dann müssen sie auch diszipliniert sein. Sie wissen:
Bei einem Verstoß gibt es eine Ermahnung, beim zweiten folgt der Ausschluss aus dem Training“, sagt Preuß.

Kinder bleiben bei der Stange Nach dem Lockdown, so ist zu befürchten, wird der Abstand zwischen den Spielern mit Eistraining zu denen ohne Eistraining erheblich sein. „Das wird sicher so sein. Die einen trainieren viermal pro Woche auf dem Eis, die anderen seit November gar nicht mehr. Natürlich haben die einen einen großen Vorteil“, sagt Preuß. Aleksandrs Kercs geht auch von einem Unterschied aus, betont aber auch, dass man beispielsweise durch das Onlinetraining alles dafür tue, damit dieser so gering wie möglich auslalle. „Klar ist aber auch: Ein Eishockeyspieler braucht das Eis.“

Die Lust aufs Eis hat beim EHC jedenfalls noch kaum ein Kind verloren.
Drei Abmeldungen über alle Altersklassen hinweg hat Preuß bisher gezählt, die durch drei Neuzugänge aber auch kompensiert werden konnten.

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EHC-Nachwuchsspieler, die in der Bayern-Auswahl stehen und damit dem Leistungssport zugeordnet werden, dürfen im Eisstadion am Pulverturm trainieren. Ein geregelter Betrieb ist nicht erlaubt. So kann Aleksandrs Kercs auf jedes Talent besser eingehen und das merkt man: „Das individuelle Training bringt die Jungs nach vorne“, sagt der Nachwuchstrainer.

Foto: Fabian Roßmann