5 Sterne Programm – Fluch oder Segen

„Sterne im Eishockey – was ist das?“, fragen sich wahrscheinlich viele Eishockeyfans. Das sind keine Nebenwirkungen von zu vielen Checks auf dem Eis, sondern dabei handelt es sich um das Nachwuchsförderprogramm der DEL in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Eishockeybund. Sternevergabe, Strafzahlungen, fehlende zweite Eisfläche, Schülerbundesliga oder DNL. Viele Schlagwörter in einem sehr umfangreichen Programm, welches jedes Jahr zum Teil neu erfunden bzw. weiterentwickelt wird. Die Anforderungen werden immer höher.

Manche der vorherrschenden Meinungen darüber sind richtig, manche fallen unter die Rubrik „Stammtisch“. Wer dieses Programm eingeführt hat, warum, was und wer dies prüft und umsetzt, möchten wir Euch gerne erläutern.

Nach dem Desaster der deutschen Nationalmannschaft, entstand in den letzten Jahren durch den DEB (Deutsche Eishockey Bund) das Projekt POWERPLAY26. Kurz gesagt, soll durch drastische Änderungen im gesamten Eishockeydeutschland erreicht werden, auf internationaler Ebene erfolgreich zu sein. Sogar Edelmetall soll 2026 bei der WM oder Olympia oder sogar bei beiden Veranstaltungen erreicht werden.

Die Zukunft liegt im Nachwuchs – das wurde nun auch von der DEL und den Profiklubs erkannt. Dass dies geschah, mussten erst die Ergebnispleite in den letzten Jahren und die eingeführten Strafzahlungen für DEL-Klubs in den Jahren 2015-16 eingeführt werden. Die Entwicklung ist für die Stammvereine der Profiklubs sehr positiv. Die Profis identifizieren sich gezwungenermaßen mit den Stammvereinen und der für sie so wichtigen Nachwuchsarbeit. Die Ausländerbegrenzung bzw. die jedes Jahr diskutierte Anzahl von ausländischen Spielern in einer Mannschaft bringt die Funktionäre und sportlichen Leiter der Profiabteilungen dahin, nicht nur den schnellen Erfolg zu sehen, sondern auch die Nachhaltigkeit einer guten Jugendarbeit zu werten. Sogenannte Eigengewächse schaffen nicht nur eine größere Identifikation mit dem Sport bei den Fans, sondern reduzieren auch die Abhängigkeit von Spielern aus anderen Ländern. Da in den letzten Jahren Kanadier, Skandinavier oder Ost-Europäer in den deutschen Ligen zum Einsatz kamen, wurde auf die Nachwuchsarbeit nicht viel Wert gelegt. Der Stammverein war ein Mittel zum Zweck. Das erkannten auch der DEB und die Proficlubs, so wurde das 5 – Sterne-Programm als eine von vielen Maßnahmen zu Powerplay26 ins Leben gerufen.

Es wurde ein Konzept entwickelt, das verschiedene Vorgaben bzgl. Training auf und neben dem Eis, Qualifikation der Trainer, Infrastruktur des Standortes, usw. vorgibt. Das 5 Sterne Programm setzt sich aus fünf verschiedenen Ebenen zusammen.

  1. Stern    =             Rekrutierung, U8 und U10
  2. Stern    =             U12 und U14

Der 3. – 4. oder 5. Stern  kann aus den Bereichen U16, U19 sowie dem „Umfeldstern“ erreicht werden. Die ersten beiden Sterne müssen jedoch erreicht werden, da sonst kein 3., 4. oder 5. Stern erreicht werden kann.

Um den 1. Stern zu erhalten, sind alleine 13 Vorgaben zu erfüllen. Diese setzten sich unter anderem aus 3 Pausengames während Profispielen (3 Punkte), Elterngesprächen (2 Punkte), Vorbilder durch Profispieler 1x wöchentl. mit dem Nachwuchs auf dem Eis (2 Punkte), usw. Insgesamt können beim 1. Stern 31 Punkte erreicht werden. Um den Stern zu erhalten, müssen mindestens 80 % von 31 Punkten, also 25 Punkte erreicht werden. Dies setzt Art der Berechnung sich bei den weiteren Sternen fort.

  1. Stern = U12 – U14 Bereich = 12 Vorgaben zu möglichen 29 Punkten

und für den 3., 4. und/oder 5. Stern

U16 = 18 Vorgaben zu 45 Punkten

U19 = 18 Vorgaben zu 50 Punkten

und zuletzt der Umfeld (Infrastruktur)-Stern = 14 Vorgaben zu 38 Punkten.

Der EHC Straubing freut sich nun schon das 2. Mal in Folge über 3 Sterne. „Wir sind zufrieden mit unseren 3 Sternen. Ohne eine Schülerbundesliga oder DNL Mannschaft ist eine Steigerung kaum möglich. Den sportlichen Aufstieg in die Schülerbundesliga hätten wir durch den bayerischen Meistertitel am Ende der Saison 16/17 geschafft, aber leider gab es genau für die Saison 2017/18 keinen sportlichen Aufstieg aufgrund von Umstrukturierungen.“, so der Sportvorstand des EHC Straubing, Manfred Lermer.

Dass die vorgeschriebenen Punkte des 5 Sterne-Konzepts eingehalten werden, wird durch die Nachwuchskoordinatoren des DEB mehrmals jährlich überprüft. Dies erfolgt bei angekündigten und spontanen Besuchen. Nachdem jedes Training, inkl. den Trainingsmethoden, Trainingszielen, Anzahl der Trainer auf und neben dem Eis, schriftlich festgehalten werden muss, kann genau nachvollzogen werden, was die Mädels und Jungs alles können müssten. Diese Übungen werden bei den Kontrollen wiederholt und das geschulte Auge der Nachwuchskoordinatoren des DEB kann beurteilen, ob die Übungen nur auf dem Papier stattgefunden oder die Spieler diese wirklich erlernt haben.

In Straubing finden diese Kontrollen durch den DEB-Vereinsverantwortlichen Uli Liebsch statt. „Die Zusammenarbeit mit Uli ist sehr kollegial und zielorientiert.“, sagt Hannes Süß, 1. Vorsitzender des EHC Straubing. „Beide Parteien wissen, dass die Einhaltung des Programmes wichtig und richtig ist. So können wir getrost sagen, dass unsere 3 Sterne redlich verdient sind.“

Was passiert, wenn ein Stammverein seine Sterne nicht erhält? Der Profiverein wird mit einer über die Jahre gestaffelten Strafzahlung belegt. Diese wird jeweils prozentual nach dem Bruttojahresspieleretat des Klubs berechnet.

Die Prozentsätze steigen ab dieser Saison um jeweils 1 Prozent. Ab dem Erreichen des 4. Sterns ist der Profiklub von einer Strafzahlung befreit. Beim 5. Stern erhält der Profiklub eine Zahlung aus dem Förderfonds. (weitere Infos auf der Homepage des EHC Straubing www.ehc-straubing.com)