NICHT ÜBER DEN GROßEN TEICH – ABER IN DIE MOZARTSTADT

Ein Talent mehr verließ die EHC-Schmiede um nach mehr zu streben und kommt hoffentlich als TIGER in ein paar Jahren an den Pulverturm zurück

Bild: Julia Fomenko

 

„Wenn ein Spieler den Klub verlässt, dann tut das einem Vorstand, einen Trainer, einer ganzen Mannschaft immer weh, aber wenn Roman nicht freiwillig nach Salzburg gegangen wäre, hätten ich ihn selbst gefahren und dort abgesetzt.“, so Hannes Süß, der 1. Vorsitzende des EHC Straubing. „Wir haben mit Roman einen super Spieler verloren, aber es ist wieder einmal zu sehen, dass die Ausbildung bei uns so gut ist, das er überhaupt in die Auswahl kam. Das muss uns stärken und stolz machen. Das ist eine Auszeichnung für Straubing“, so Süß weiter.

So hat Manfred Lermer, Sportvorstand des EHC, einen kleinen elektrischen Besuch abgestattet und  den „neuen straubinger Österreicher“ ein paar Fragen gestellt.

Zuerst einmal das Wichtigste – Wie geht’s Dir?
Du bist jetzt seit mehr als 3 Monaten in Salzburg. Hast Du Dich eingewöhnt?

Roman: Mir geht´s super. Am Anfang war es bisschen komisch, weil man einfach weg von den Eltern ist und es sich zuerst so anfühlt, als ob man im Schullandheim ist oder in einem normalen Eishockeycamp.  Aber nach etwa 1 Monat gewöhnt man sich an die Situation hier und kommt in den Alltag.

Jeden Tag wird der CK- und der Laktat-Wert gemessen, um eine Angabe zu haben, wie belastbar die Sportler sind bzw. ob einen das Training überfordert.

Wie viele Stunden am Tag habt Ihr Training ?

Roman: Ich schätze so ca. 6h Training und das 5 mal in der Woche + die Spiele am Wochenende. Einen Tag in der Woche haben wir frei.

Wie war Deine Zeit beim EHC?

Roman: Huiuiuiuiui… hahaha. Die Zeit war wirklich sehr gut. Ohne die Grundlagenausbildung, die ich in Straubing bekommen habe, hätte ich es nie hier her geschafft. Die Trainer haben früh gesehen, dass ich mehr Training brauche und haben mich individuell gefördert.

Wann hast Du begonnen zu spielen und wie kam es dazu, dass du begonnen hast Eishockey zu spielen?

Roman: Ich kann mich noch ganz genau dran erinnern. Als ich im Kindergarten war, wollte ich immer nur Fußball spielen und dort im Tor stehen. Meine Mama aber ist ehemalige Eiskunstläuferin und hat mich ins Stadion zum EHC Straubing gebracht. Ich hab meiner Mama gesagt, dass ich nur Fußball spielen möchte. Mama war aber hartnäckig und hat mich jeden Tag ins Eishockeytraining gebracht. Und eigentlich seit dem ersten Training hat mir das unglaublich viel Spaß gemacht  und bin seit dem dabeigeblieben.

Was kannst Du den Mädels und Jungs in Straubing und Umgebung raten?

Roman: Also wenn man wirklich professionell Eishockey spielen will, muss man schon so früh wie möglich damit beginnen. Ich hab mit 6 Jahren angefangen, kurz bevor ich in die erste Klasse gekommen bin. Man kann natürlich 2-3 Jahre später damit anfangen und es macht trotzdem riesigen Spaß, aber meine Empfehlung ist es einfach so früh wie es nur geht ins Stadion zu kommen. Die  Chancen sinken Profisportler zu werden, umso später man anfängt. Ich war auch wirklich jedes Mal im Training, egal ob Sommer oder Winter. Es gab keine Entschuldigungen für mich nicht ins Training zu gehen. Disziplin ist wirklich unglaublich wichtig und ein Geburtstag oder sowas muss man hinten anstellen.

Warum bist Du als Spieler in Straubing geblieben und hast nicht schon zuvor zu einem anderen Standort gewechselt?

Roman: Weil es mir in Straubing einfach Spaß gemacht hat Eishockey zu spielen. Hätte ich gewechselt, müsste ich jeden Tag in eine andere Stadt fahren und verplempere damit nur meine Zeit die ich fürs Eishockeyspielen nutzen konnte. In Straubing hab ich viel Eiszeit bekommen und so konnte ich viel lernen. Gleichzeitig hab ich für den BEV (Bayerischen Eissport Verband) gespielt, was für mich hieß, dass ich weitere  Trainingseinheiten machen konnte. Dort war es schön auf einem hohen Niveau mit anderen Jungs aus Bayern spielen zu können. Der EHC und BEV war eine gute Mischung für mich.

Wie kann man sich Deine Unterbringung im Internat vorstellen? Bzgl. auf Zimmeranzahl, Nachtruhe usw.

Roman: Also es gibt hier nur Doppelzimmer. Ich teile mir mein Zimmer mit einem Spielkameraden. Bettruhe im Internat ist um 22:00 Uhr. Das bedeutet um diese Zeit muss jeder auf seinem Zimmer sein. Wann man schläft ist jedem selbst überlassen. Im ersten Jahr müssen die Spieler ihre Handys um 21:30 bei den Erziehern abgeben, damit man die Nacht nicht am Handy verbringt und rechtzeitig schlafen geht, um am nächsten Tag zum Training fit zu sein.  Das Wlan wird im ganzen Internatsgebäude um 23:00 abgeschaltet, damit auch die älteren Spieler nicht zu lang am Handy sitzen.

 Wie weit ist das Stadion vom Internat und der Schule entfernt?

Roman: Es ist ziemlich cool, dass unser Stadion im Internat ist und wir daher vor Ort 2 Eisflächen haben und nur 1 min brauchen um da zu sein. Die Schule ist in der Innenstadt. Man kann dann entweder mit dem Bus oder Rad fahren. Ca. 15-20 Minuten. Der Weg ist immer am Fluss entlang und es ist für mich auch nicht schlimm, dass ich dafür in die Innenstadt muss, weil es immer wieder mal gut tut, auch mal aus dem Akademie-Gebäude raus zu kommen.

Hattet ihr Teambuildingmaßnahmen?

Roman: Bis jetzt haben wir eine riesen Radtour gemacht, die 4 Stunden gedauert hat. Wir sind ca. 20 km zu einer Berghütte hochgefahren. Dort hatten wir dann übernachtet. Den meisten Spaß hatten wir beim runterfahren.

Zu den Teambuilding-Maßnahmen gehörten aber auch die Turniere in Prag und Berlin. Da konnte man die Spielweise und generell die Spieler besser kennenlernen. Es war ziemlich lustig, immer mit verschiedenen Leuten im Zimmer zu sein.

Wie sieht Dein Alltag aus?

Roman: Also in den Sommerferien ist es so, dass man in den ersten Wochen Frühtraining hat, bedeutet ich musste um 06:00 aufstehen, Frühstücken und dann zum Training gehen. Das Training dauerte den ganzen Tag mit einer Mittagspause. An ein paar Tagen hatten wir nur Nachmittagstraining, da bin ich dann um 08:30 aufgestanden um es noch zum Frühstück zu schaffen.

Wie sehen die Trainingsmaßnahmen bei euch aus?

Roman: Der Trainingsablauf ist anders als in Straubing. Man trainiert sehr viele verschiedene Spielsituationen, man analysiert die letzten Spiele und passt dann das Training an die Fehler des letzten Spiels an. Es ist auch deutlich komplexer, das heißt man muss dauernd konzentriert sein und darauf achten was man falsch bzw. richtig macht. Jedes Training beginnt mit einem Warm-Up (auf dem Cardio-Bike), ca. 15 Minuten… da hat jeder ein eigenes Programm und es ist auf die Oberschenkelstärke des Spielers angepasst. Dann geht es 5 Minuten später auf das Eis. Stürmer, Verteidiger und Goalies werden oft individuell von jeweils einem Trainier trainiert. Nach dem Training gibt es eine Cool-Down-Phase, meistens wieder auf dem Bike und danach noch eine Einheit um uns zu Dehnen.

Was vermisst Du am meisten an Straubing?

Am meisten vermiss ich meinen Alltag, den ich 14 Jahre lang in Straubing hatte. Meine Freunde und Bekannten vermiss ich natürlich auch sehr und einfach die Umgebung, weil Straubing meine Heimat ist. Hier im Internat kennt man keinen wirklich gut, man muss hier erst alle kennenlernen und zu Hause hatte man seine Freunde seit Jahren.

Willst Du jemanden Grüßen?

Jep, ich würde gern Markus Duchenko grüßen, meinen besten Freund, der momentan auch bei der U16-Mannschaft in Straubing spielt. Dann auch meine ganze frühere Mannschaft und die Trainer vom EHC Straubing. Natürlich auch alle meine Schulfreunde und natürlich meine ganze Family, die weiterhin in Straubing wohnt.

Vielen Dank für Deine Zeit Roman und ich kann mit Sicherheit behaupten – ganz Eishockeystraubing grüßt zurück. Weiterhin viel Erfolg und wir hoffen Alle, dich in ein paar Jahren wieder am Pulverturm in einem Tigertrikot zu sehen.