So will sich der EHC für die Zukunft aufstellen


Sie wollen den zukünftigen Vorstand des EHC Straubing bilden: Thomas Groß (von links), Gerhard Fischer, Markus Böhm und Hannes Süß. Foto: Fabian Roßmann

Verantwortliche informieren über geplante Änderungen und rufen zur ehrenamtlichen Mitarbeit im Verein auf.

“Weil heutzutage jeder eine Agenda braucht, brauchen auch wir eine Agenda“, sagte Hannes Süß, erster Vorstand des EHC Straubing. In der Fangaststätte im Straubinger Eisstadion stellten die Verantwortlichen des Vereins am Donnerstagabend ihre Pläne für die Zukunft vor. Die Quintessenz: Es hat sich in den vergangenen Jahren schon vieles in die richtige Richtung entwickelt, in einigen Bereichen muss aber weiter nachgebessert werden. Die Zukunft hält durchaus große Herausforderungen bereit.

Dass man zuletzt für positive Schlagzeilen sorgen konnte – sowohl die U17-Mannschaft als auch der Verein im Gesamten wurden bei der Sportlerehrung der Stadt ausgezeichnet – sei der „Verdienst vieler“, sagte Süß. Hier hob er auch die Unterstützung der Gesellschafter der Tigers hervor. „Ohne die Unterstützung, finanziell wie sportlich, ging‘s nicht“, betonte Süß, sie sei „nicht selbstverständlich“. Er sprach von einem „guten Miteinander“, das es zwischen EHC und Tigers gebe. Klar gebe es einmal Diskussionspunkte. „Aber wir finden immer einen Konsens, weil wir alle nur Gutes fürs Straubinger Eishockey wollen.“ Sein Fazit: „Es bewegt sich in die richtige Richtung.“

Bis zur U17 spielen inzwischen alle Jugendteams des EHC in den höchsten Ligen. Diese U17 sorgt als Tabellenzweiter in der Jugendbundesliga hinter den Jungadlern Mannheim sogar überregional für Furore. Im Fünf-Sterne-Programm hat der Verein derzeit vier Sterne. Vor einigen Jahren waren es noch deren zwei. Damit müssen die Tigers aktuell auch keine Strafzahlungen leisten.

EHC will „Struktur umkrempeln“

„Wenn sich sportlich viel bewegt, dann muss sich auch finanziell und strukturell etwas tun“, sagte Süß. Die Grenze für die aktuelle Struktur sei erreicht. Deshalb werde man bei der kommenden Jahreshauptversammlung am 19. Dezember Anträge stellen, um die „Struktur umzukrempeln.“ Die größten Veränderungen: Der Vorstand soll von drei auf vier Personen wachsen. Neben den bisherigen Vorständen Hannes Süß, Gerhard Fischer und Markus Böhm soll zukünftig der aktuelle Beirat Thomas Groß als Sport-Vorstand dazustoßen. Zusätzlich will man einen Mitgliederrat gründen, in dem Vertreter aus den Bereichen Eltern, Tigers, Helfer, Fans und Aktiven sitzen. Außerdem soll ein Förderkreis („Freunde des EHC“) gegründet werden, wo Mitglieder per erhöhtem Beitrag (120 Euro) den EHC zusätzlich unterstützen können. Süß nannte hier 100 Mitglieder als Ziel.

Thomas Groß nahm Bezug auf die eine oder andere heiß diskutierte sportliche Personalie. So sollte im Sommer Bohumil Kratochvil als Jugendtrainer nach Straubing zurückkehren. Das habe ein Kreis, darunter auch er, befürwortet, sagte Groß. Doch in der Folge habe es viele kritische Stimmen gegeben von Trainerkollegen und Spielern. Von „Eskalationsgesprächen“ sprach Groß, nach denen man „zu Gunsten der Harmonie“ Kratochvil wieder abgesagt habe.

Auch die Straubinger Legende Billy Trew musste im Sommer gehen, trainiert nun den EV Dingolfing. „Billy ist eine tolle Person und ein toller Mensch, der sicher viele Kinder zu uns gebracht hat“, sagte Groß. „Aber wir müssen auch schauen, wie wir uns entwickeln.“ Und da habe es mit Martin Cinibulk, der im Landshuter Nachwuchs gute Arbeit geleistet habe, eine gute Alternative gegeben.

Schwerpunkt von der Laufschule bis zur U17

Ein Schwerpunkt der zukünftigen Arbeit, so Groß, müsse es sein, mehr Kinder von der Laufschule in die U7 und U9 zu bringen und folglich auch in den höheren Nachwuchsteams mehr Kinder zu haben. Der strategische Schwerpunkt des EHC liege derzeit im Bereich von der Laufschule bis zur U17. Unter der „Agenda 2025“ haben die Verantwortlichen verschiedene Punkte zusammengefasst. Ein wichtiger hierbei ist der Kabinenneubau, der 2021 beginnen soll und laut Süß bis 2022 fertig sein muss. Dazu will man das betreute Wohnen für Spieler bis 17 Jahren sowie Vereinswohnungen für Spieler ab 18 Jahren als Angebot ausweiten. In puncto Reha und Ärzte will man Kooperationen schießen, um die Spieler besser versorgen zu können. Im sportlichen Bereich will man zum Beispiel die Schulkooperationen, die derzeit mit der Kasberger-Schule und dem Ludwigsgymnasium bestehen, weiter ausbauen, Perspektivspieler auch bei den Tigers integrieren oder das Off-Ice-Training professionalisieren. Um zusätzliche Leistungen anbieten zu können, werden auch die Beiträge für aktive Mitglieder erhöht.

Auch die Mannschaftsbetreuung soll weiter professionalisiert werden. Hier riefen die Verantwortlichen dazu auf, dass sich mehr Leute ehrenamtlich im Verein engagieren. Insgesamt würden derzeit 18 Betreuer abgehen, um die Mannschaften bestmöglich zu versorgen. Auch anderweitig brauche man weiter Unterstützung. „Derzeit kann es sein, dass am Abend Leute zitternd in eine Wolldecke eingewickelt in der Sprecherkabine sitzen, weil sie beim vierten Spiel hintereinander Zeitnehmer sind“, veranschaulichte Süß.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist den Verantwortlichen, das Vereinsleben zu stärken. Denn derzeit gebe es vor allem eine Mannschafts- und Spielerkultur, weniger aber eine Vereinskultur. Ein Anwesender appellierte daran, mehr nach außen zu gehen. „Was in der Eishalle passiert, das ist das bestgehütete Geheimnis in ganz Straubing“, sagte er. Er wünsche sich zum Beispiel auf Sicht ein eigenes Vereinsheim für den EHC.

Anregungen von Tigers-Geschäftsführerin Gaby Sennebogen

Interessant wurde es, als sich Gaby Sennebogen, Geschäftsführerin der Straubing Tigers, zu Wort meldete. Sie bemängelte das Prozedere, mit dem zu der Veranstaltung geladen wurde. Die Veranstaltung sei vor allem über Social Media beworben worden, sodass es nicht überrasche, dass hauptsächlich junge Leute den Weg in die Fangaststätte gefunden hätten. Rund 30 waren insgesamt da – Tigers-Verantwortliche wie Sennebogen, weitere Gesellschafter oder der Sportliche Leiter Jason Dunham schon inbegriffen.

Mit Blick in die Zukunft sagte Sennebogen: „Wenn man einmal im Jahr eine Mitgliederversammlung hat, muss es einem das wert sein, jeden per Mail einzuladen.“ Hierbei stellte sich heraus, dass es lange gar keine genaue Liste über die Vereinsmitglieder gab. Man habe nicht gewusst, wer ist überhaupt Mitglied, zum Teil seien falsche Beiträge gezahlt worden. Weil sich keiner wirklich darum kümmerte.

Die EHC-Verantwortlichen bekannten sich in den Anklagepunkten schuldig und gelobten Besserung. Der Verein sei vor fünf Jahren allerdings eine „Vollbaustelle“ gewesen, sagte Thomas Groß. Dafür habe man doch einiges erreicht. „In fünf Jahren kann viel passieren“, entgegnete Sennebogen, die ihren Einwurf nicht als Kritik, sondern nur als Anregung verstanden wissen wollte. Schließlich hätten ja alle das Beste für das Straubinger Eishockey im Sinn.
„Es ist unbestritten, dass Defizite da sind“, sagte auch Hannes Süß. Das würden drei Vorstände alleine nicht schaffen. Auch deshalb wolle man die Struktur weiter anpassen. „Schlimm wäre vielmehr, wenn wir die Probleme nicht auch erkennen würden.“

Quelle – www.idowa.de